3. März 2026: Thema: „Der Magistrat – dein Feind und Helfer“
Im Fokus stehen Fragen wie:
- Wie viel Spielraum gibt es innerhalb gesetzlicher Rahmenbedingungen?
- Wo entstehen Reibungen zwischen Verwaltung und Stadtmacher:innen?
- Welche Mentalitäten, Routinen und Haftungssorgen prägen Entscheidungen?
- Und wie kann Verwaltung aktiv Stadtentwicklung mitgestalten?
Es diskutierten:
Julian Geier – Stadtrat Referat Wirtschaft & Tourismus
Ronald Rabitsch – Vizebürgermeister, Referent Stadtplanung
Valentin „Mogli“ Pezzei – Obmann & Organisator „Urban Playground“
Marco-William Ninaus – Teamleiter Regionalredaktion Klagenfurt
Gesprächsbericht: SALON LENDHAFEN – „Der Magistrat: Dein Feind und Helfer?“
Am 3. März 2026 wurde das DOCK04_THEATER in der Hafenstadt zur Bühne für eine intensive Debatte über Verwaltung, Politik und die Zukunft von Klagenfurt. Unter der Moderation von Michael Pontasch diskutierten Julian Geier, Marco-William Ninaus, Valentin „Mogli“ Pezzei und Ronald Rabitsch über das Spannungsfeld zwischen Magistrat, Politik und Stadtmacher:innen.
Bedauerlicherweise konnte trotz Einladung keine Vertretung des Magistrats für das Podium gewonnen werden.
Verwaltung zwischen Anspruch und Realität
Ronald Rabitsch bezeichnete den Magistrat eingangs als „Kulturproblem“. Es brauche einen grundlegenden Wandel – weg vom Verhindern, hin zum Ermöglichen. Die Politik müsse klare Richtungen vorgeben, denn ohne Führung entstehe Stillstand. Gleichzeitig verwies er darauf, dass 90 Prozent der Mitarbeitenden engagiert und fleißig seien, jedoch fehlende Rückendeckung und Haftungsängste Entscheidungen lähmen würden.
Julian Geier ergänzte, dass es oft an gemeinsamer Zeit und strukturiertem Austausch fehle. Viele Abteilungsleiter:innen hätten gute Ideen, doch Prozesse seien zu schwerfällig. Ein Ampelsystem zur transparenten Projektbewertung könne Außenstehenden helfen, Klarheit zu schaffen.
Bürokratie und fehlende Transparenz
Ein zentrales Thema war die Überreglementierung. Für eine einzelne Veranstaltung im Lendhafen seien bis zu sieben oder acht Behördenwege notwendig – ein Sinnbild für ausufernde Bürokratie.
Rabitsch fordert ein digitales Trackingsystem, das Verfahren transparent macht und Zuständigkeiten klar sichtbar abbildet. Ergänzend brauche es eine Servicebroschüre oder einen Leitfaden: Wer ist wofür zuständig? An wen kann ich mich mit welchem Anliegen wenden?
Einigkeit bestand darin, dass es eine „EINE Stimme nach außen“ brauche – insbesondere für jene, die mit der Verwaltung arbeiten müssen.
Strukturreform und politische Verantwortung
Diskutiert wurde auch die geplante Strukturreform im Magistrat: Eine Reduktion von 22 auf 12 Referate liegt vor, ist jedoch noch nicht beschlossen. Laut Diskussion fehle bislang die politische Zustimmung großer Fraktionen. Eine Umsetzung sei noch heuer geplant.
Rabitsch brachte es pointiert auf den Punkt: „Politik vergeht, Beamtenschaft besteht.“ Gerade deshalb brauche es eine starke politische Führung, die Kurs vorgibt, und eine Verwaltung, die diesen Weg aktiv mitgestaltet.
Kritik an Politik und öffentlicher Wahrnehmung
Valentin „Mogli“ Pezzei kritisierte das gegenseitige Zuschieben von Verantwortung zwischen Politik und Magistrat. Marco Ninaus stellte provokant fest, dass in der Stadt „niemand regiere“ – ein Ausdruck wahrgenommener Führungslosigkeit. Zudem bleibe öffentliche Wahrnehmung häufig an negativen Schlagzeilen hängen, während Potenziale untergehen.
Der Tenor: Klagenfurt verkauft sich unter Wert. Statt Chancen zu nutzen, leide man an einer Art „Inventionitis“ – Probleme würden produziert, statt Lösungen zu ermöglichen.
Identität und Leitidee für Klagenfurt
Aus dem Publikum kam die Frage nach der Identität der Stadt: Wofür steht Klagenfurt? Sportstadt? Kulturstadt? Universitätsstadt? Jugendstadt?
Die Diskussion zeigte: Es fehlt eine klare Leitidee, ein gemeinsames Zielbild. Wo will die Stadt hin? Was wollen wir bewirken? Und wie erreichen wir das?
Gleichzeitig wurde betont, dass man sich schlechter mache, als man sei. Klagenfurt sei bunt, vielfältig und voller Potenzial.
Kulturwandel als Schlüssel
Am Ende stand Einigkeit über die Notwendigkeit eines Kulturwandels:
Mehr Mut. Mehr Stolz. Mehr Gestaltungswille.
Es brauche eine Verwaltung, die gestaltend arbeitet – nicht nur verwaltet. Eine politische Spitze, die Richtung vorgibt. Und einen organisierten Austausch zwischen Abteilungen mit unterschiedlichen Interessen.
Julian Geier betonte, dass die Menschen stolz auf Klagenfurt sein sollen und gemeinsam an der Stadt arbeiten möchten. Mogli brachte es emotional auf den Punkt: „Klagenfurt ist die geilste Stadt!“
Der Abend endete versöhnlich – mit dem gemeinsamen Willen, die Stadt nicht länger unter Wert zu verkaufen, sondern sie selbstbewusst zu gestalten.