27. Januar 2026 | 19 Uhr | Thema: Life after dusk. Wie viel Nacht verträgt diese Stadt?
- Kultur, Clubszene, Kino, Flanieren – Schließt Klagenfurt um NEUN?
- Wieviel qualitative Unterhaltung nach Sonnenuntergang erlaubt die Stadt ihren Bürger:innen?
- Die Qualität der Nacht ist ein zentraler Indikator urbaner Qualität.
- Nachtökonomie ist Wirtschaftsfaktor, Kulturraum und Konfliktzone zugleich. Vergeigen wir die Hälfte des Tages?
- … den Jungen, den Bürger:innen, den Anrainer:innen? – Wem gehört die Nacht?
Nachtqualität ist Standortqualität! Städte ohne attraktive Nacht verlieren ihre Attraktivität, Tourist:innen,Talente und ihre Jungen!
Städte wie Amsterdam, Berlin oder Zürich werden international nicht nur wegen ihres Nachtlebens wahrgenommen, sondern wegen ihrer bewussten Steuerung der Nacht.
Im Salon Lendhafen diskutieren wir, was eine lebendige Nachtökonomie ausmacht und ob die Nacht gestaltet wird – oder bloß verwaltet.
Es diskutierten:
Julian Geier – Stadtrat Referat Wirtschaft & Tourismus
Victoria Pucher – Vorsitzende der ÖH Klagenfurt
Karin Rauter – Gastronomin, Veranstalterin und 3-fache Mutter
Robert Schabus – Filme- und Kinomacher
Moderation: Michael Pontasch
DOCK04_THEATER. | Eintritt frei.
Nachbericht:
Salon Lendhafen – Podiumsdiskussion „Life after dusk. Wie viel Nacht verträgt diese Stadt?“
27. Jänner 2026 | Hafenstadt DOCK04_THEATER
Im Rahmen des Salon Lendhafen wurde die Qualität der Stadt Klagenfurt nach Einbruch der Dunkelheit intensiv diskutiert. Ausgangspunkt war die zentrale Frage, welche Rolle Nachtkultur, Gastronomie und kulturelles Angebot für eine Stadt mit rund 105.000 Einwohner:innen spielen – und welche strukturellen Voraussetzungen notwendig sind, um urbanes Leben auch nachts zu ermöglichen.
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war die klare Feststellung, dass eine Stadt wie Klagenfurt qualitatives Entertainment in der Nacht benötigt. Nachtkultur wurde dabei nicht als Luxus oder Randthema verstanden, sondern als wesentlicher Bestandteil urbaner Lebensqualität und als eigenständiger Wirtschaftszweig. Kultur wirkt als Motor für das nächtliche Stadtleben und hat direkte Auswirkungen auf Gastronomie, Tourismus, Verkehr, Arbeitsplätze und die Attraktivität des Standorts insgesamt.
Mehrfach wurde betont, dass es künftig eine stärkere Vernetzung zwischen Kultur, Gastronomie und öffentlich zugänglichen Flächen braucht. Veranstaltungen, Orte und Akteur:innen müssten besser zusammengedacht werden, um nachhaltige Strukturen zu schaffen, anstatt auf Einzelinitiativen angewiesen zu sein.
Kritisch diskutiert wurde die Rolle der Verwaltung. Aus Sicht mehrerer Teilnehmer:innen fehle es aktuell an Wertschätzung und strategischer Unterstützung für Nachtkultur und urbane Initiativen. Statt Entwicklung werde häufig eine reine „Verwaltung des Niedergangs“ wahrgenommen. Daraus leitete sich der Wunsch nach klaren politischen und administrativen Zuständigkeiten ab – etwa in Form eines gemeinsamen Gremiums von Stadt und Land, das sich explizit mit Nachtökonomie, Kultur und Stadtentwicklung befasst.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Bedeutung der Studierenden für das urbane Leben. Sie wurden klar als relevanter Wirtschaftsfaktor und als Träger:innen von Kultur, Konsum und Innovation benannt. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Kommunikation zwischen Stadt, Kulturszene und Studierenden deutlich ausbaufähig ist.
Mehrfach wurde die Notwendigkeit formuliert, klare Ziele für die Stadt zu definieren: Wo will Klagenfurt hin? Welche Art von Stadt möchte man sein – auch nachts? Ohne Zielbild und langfristige Perspektive sei keine nachhaltige Entwicklung möglich. Dabei brauche es Ausdauer, Energie und den Willen, Prozesse auch über längere Zeiträume konsequent zu verfolgen.
Ein eigenes Themenfeld war das fehlende Mindset für Nachtgastronomie und Nachtkultur. Ohne ein grundlegendes Verständnis dafür, dass Städte auch nachts leben müssen, könne keine Veränderung stattfinden. Konsens war: Ohne Kultur lebt die Stadt nicht.
Als mögliche Instrumente und Ideen wurden unter anderem genannt:
- die Einführung eines Kultureuros nach dem Vorbild anderer Städte (z. B. Berlin),
- die Einrichtung eines Night Commissioners oder eines Night Councils, der die Qualität der Nacht strategisch steuert,
- freie Plakatflächen für junge Kultur- und Veranstaltungsszenen, um Sichtbarkeit niederschwellig zu ermöglichen.
- die gezielte Nutzung bestehender Freiflächen und öffentlicher Infrastruktur – etwa des Europaparks – um neue kulturelle Formate im Stadtraum zu ermöglichen.
Ein wiederkehrendes Stichwort war Mut: Mut zu neuen Ideen, zu Kooperationen, zu langfristiger Planung und gemeinsamer Verantwortung. Urbane Lebendigkeit entstehe nicht zufällig – Klagenfurt müsse aktiv „vibrant“ gemacht werden, das passiere nicht „by accident“. Vibrante Nachtökonomie entsteht nicht by accident. Es braucht Innovation, Planung, kuratierte Angebote und starke Partnerschaften.
Konkret angesprochen wurde auch die aktuelle Situation nach Theater- oder Kinobesuchen: In vielen Fällen gebe es nach 21 Uhr kaum noch Möglichkeiten, essen oder trinken zu gehen. Die Hafenstadt wurde dabei explizit als eine der wenigen verbliebenen Adressen genannt, die auch zu später Stunde ein gastronomisches Angebot aufrechterhält.
Fazit des Abends:
Klagenfurt muss vibrant werden – Schritt für Schritt. Das passiert nicht zufällig. Das braucht Haltung, Energie – und gemeinsames Dranbleiben.
„Vibrant, night-time economies do not happen by accident.“
„Innovation, curation, planning and partnership are all key elements to creating a destination that can delight users after dark.“
Quelle: ATCM – Purple Flag: Excellence in the Evening and Night-Time Economy (Online).
Verfügbar unter: https://www.atcm.org/purple-flag
